München, 14. September 2018 – Magnetspielzeuge und ihre Kleinstteile werden, gerade im Kleinkindalter, immer häufiger verschluckt und führen mitunter zu lebensbedrohlichen Zuständen bis hin zu Todesfällen. Dabei können einfache Maßnahmen helfen, derlei Unfälle zu vermeiden.

Ein Hinweis des Deutschen Kinderschutzbundes Landesverband Bayern e. V. zum neuen Kindergarten- und Schuljahr 2018/19.

Man findet sie inzwischen überall: Magnete. Sie sind nicht nur überaus praktische Helfer im Haushalt und Büro und zieren in Form von lustigen Figuren oder Sprüchen zahlreiche Kühlschränke und Spinde weltweit. Seit einigen Jahren sind Magnete auch fester Bestandteil der Spielzeugindustrie. Neben den klassischen Magnetbuchstaben erfreut sich insbesondere sogenanntes magnetisches Konstruktionsspielzeug besonderer Beliebtheit. Dieses animiert Kinder mit kleinen Magnetstäben und -kugeln zum kreativen Bau und ist nicht nur in Kinderzimmern zu finden. Inzwischen bieten auch viele Kinderbetreuungseinrichtungen das begehrte Magnetspielzeug an.

Was jedoch nur Wenige wissen: Das Verschlucken von Magnetteilen ist lebensgefährlich.

Kein Jahr ist es her, dass ein vierjähriger Junge aus Oberbayern wegen verschluckter Magnetteile innerhalb weniger Tage verstarb. Diese hatten zu einem lebensbedrohlichen Darmverschluss geführt.

Derlei Vorfälle sind nicht so selten, wie man denken mag. In den USA haben sich zwischen 2002 und 2011 Unfälle (1) mit Magnetteilchen bei Kindern verfünffacht. Doch auch in Europa ereigneten sich in den letzten Jahren leider immer häufiger Unfälle bei dem Umgang von Kindern mit Magnetspielzeug. In vielen Fällen konnte man die Kinder nur noch durch eine Notoperation retten. Weltweit gibt es inzwischen mehrere gemeldete Todesfälle, die auf das Verschlucken von magnetischen Kleinstteilen, Stabmagneten oder Stahlkugeln zurückzuführen sind. Doch warum ist ausgerechnet das Verschlucken von Magneten so gefährlich?

Wird mehr als ein Magnetteil oder ein magnetisierbarer Gegenstand verschluckt, kann es zu einer fatalen Anziehungskraft kommen, die ein natürliches Ausscheiden der Teile verhindert. Die sich anziehenden Teile können so einen mechanischen Darmverschluss oder auch eine Verletzung der Darmwand zur Folge haben. Oftmals lassen sich die magnetischen Teile dann nur noch chirurgisch entfernen. Ferner deuten die mit dem Verschlucken von Magnetteilen einhergehenden Symptome nicht sofort auf die Ursache. Anzeichen wie Fieber, Durchfall, Erbrechen und zum Teil starke Bauchschmerzen führen die Mediziner nicht selten auf eine falsche Fährte. Erst eine Röntgenuntersuchung kann die eingenommenen Kleinteile darstellen, wenngleich hier nicht zu erkennen ist, ob es sich um Magnetteile oder etwas anderes handelt. Deshalb empfiehlt das Bayerische Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz auch allen Eltern, den Arzt auf die Möglichkeit verschluckter Magneten aufmerksam zu machen.

Magnetspielzeuge: Nur geprüft und unter Aufsicht

Um die Gefahr des Verschluckens von magnetischem Spielzeug und die daraus resultierenden Komplikationen zu minimieren, empfiehlt das Verbraucherministerium u. a.
• magnetisches Spielzeug nur mit einer CE-Kennzeichnung und, wenn möglich, noch mit einem GS-Kennzeichen versehen zu kaufen.
• Kinder frühestmöglich aufzuklären und deutlich darauf hinzuweisen, keine Magnete in den Mund zu nehmen.
• regelmäßig Bestandskontrollen auf Vollständigkeit aller Einzelteile durchzuführen.

Ferner sollten kleinere Kinder nicht unbeaufsichtigt mit magnetischem Spielzeug spielen. Wenn ein Kind dennoch einen Magneten verschluckt hat, sollte sofort ärztliche Hilfe aufgesucht werden.

Angesichts des neuen Schul- und Kindergartenjahres möchte der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Bayern e. V. noch einmal alle Eltern, Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen, Verbände mit einem offenen Spielangebot, Kinderärzte und Spielzeugläden bitten, die empfohlenen Hinweise des Verbraucherschutzes (2) zu beachten und diese gegebenenfalls auch in ihrer Praxis oder Einrichtung auszuhängen.

Möchten auch Sie sich aktiv oder durch eine Spende für den Kinderschutz in Bayern stark machen?
Hier finden Sie weitere Informationen: www.kinderschutzbund-bayern.de/mithelfen.

Kontakt:
Deutscher Kinderschutzbund Landesverband Bayern e. V.
Cordula Falk – Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Goethestraße 17
80336 München
Tel.: (089) 920089-20
E-Mail: oeffentlichkeitsarbeit@kinderschutzbund-bayern.de
www.kinderschutzbund-bayern.de

Quellen:
1 medpageTODAY, Annals of Emergency Medicine
2 Bayerisches Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz (https://www.vis.bayern.de/produktsicherheit/produktgruppen/spielwaren/magnetspielzeug.htm)

Der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Bayern e.V. ist Dachverband für 59 Orts- und Kreisverbände. Er ist Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband und anerkannter freier Träger der Kinder und Jugendhilfe nach §75 SGB VIII. Im Bundesverband des Deutschen Kinderschutzbundes sind 16 Landesverbände und über 430 Orts- und Kreisverbände vertreten. Bundesweit haben sich über 50.000 Mitglieder zusammengeschlossen, die mit über 10.000 Ehrenamtlichen und rund 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine kindgerechte Zukunft schaffen wollen.
Der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) hat sich seit seiner Gründung 1953 in Hamburg zur größten Lobby für Kinder in Deutschland entwickelt. Er setzt sich für die Rechte aller Kinder ein. Dabei macht er keinen Unterschied zwischen Herkunft, Geschlecht, Konfession, Behinderung und Nichtbehinderung.
Der DKSB versteht sich als moderner Dienstleister und bietet Kindern und deren Familien in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und Einrichtungen zahlreiche Hilfsangebote und Projekte an. Darüber hinaus leistet er auf politischer Ebene Lobbyarbeit und informiert Politiker, Medien und Öffentlichkeit über Missstände. Mehr unter www.kinderschutzbund-bayern.de.